#48 - Auf den Punkt - BU - Anerkennungen und Ablehnungen

Shownotes

„Darum kann ich mich später noch kümmern.“ Gerade junge Kundinnen und Kunden schieben das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung gern auf. Die Daten aus der BU-Leistungspraxis erzählen jedoch eine andere Geschichte: In der Altersgruppe von 18 bis 30 Jahren entfallen fast 40 Prozent der Leistungsanträge auf psychische Erkrankungen – der höchste Wert aller Altersgruppen.

In dieser Folge sprechen wir mit Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit, über die Ergebnisse der BU-Leistungspraxisstudie 2026. Wir ordnen ein, welche Erkrankungen besonders häufig zur Berufsunfähigkeit führen, wie hoch die Anerkennungsquoten sind und warum Anträge abgelehnt werden.

Außerdem geht es um drei hartnäckige Missverständnisse: Zahlen Versicherer bei psychischen Erkrankungen überhaupt? Reicht eine Erkrankung automatisch für eine BU-Leistung? Und kann ein Versicherter noch immer abstrakt auf einen völlig anderen Beruf verwiesen werden?

Blogbeitrag zu Anerkennungen und Ablehnungen in der BU

BU-Leistungspraxisstudie 2026

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Transkript anzeigen

00:00:01:

00:00:11: Stellt euch mal vor, ihr sitzt an eurem Schreibtisch und vor euch sitzt eine vierundzwanzigjährige Kundin.

00:00:16: Frisch im Job, Top Ausbildung, kerngesund – zumindest körperlich!

00:00:20: BU-Schutz kann ich mir jetzt noch nicht leisten, eilt ja nicht.

00:00:24: Den Satz kennt wahrscheinlich jeder in der Branche?

00:00:26: Ja und er ist gefährlicher als er klingt denn die Daten aus unserer BU Leistungspraxis erzählen eine völlig andere Geschichte.

00:00:33: Philipp ist unser Leiter Ratingsvorsorge und Nachhaltigkeit.

00:00:36: Philipp, du hast die Zahlen!

00:00:37: Wie sieht die Realität da aus?

00:00:39: Ja, die sieht völlig anders aus als diese Kundin da am Schreibtisch denkt.

00:00:43: also der Hauptgrund für die Berufsunfähigkeit bei den achtzehn bis dreißigjährigen ist nämlich die Psyche und zwar mit fast vierzig Prozent der Leistungsanträge in genau dieser Altersgruppe.

00:00:54: das ist der absolute Höchstwert über alle Alterskruppen hinweg.

00:00:57: Das Risiko für die Pysche ist nicht am Ende des Berufslebens am höchsten sondern ganz am Anfang.

00:01:03: Das ist genau das Argument für den jungen Kunden, der sagt es hat noch Zeit.

00:01:07: Fast vier von zehn Leistungsanträgen dieser Altersgruppe – das ist kein Randrisiko und zeigt eben dass auch junge Leute durchaus berufsunfähig werden können.

00:01:16: Ja!

00:01:17: Und der frühere Abschluss ist keine Kühe sondern die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Vorerkrankung den Schutz nicht erschwert oder sogar verhindert.

00:01:26: Ich finde da ein Bild ganz passend.

00:01:28: Die Gesundheitsprüfung ist wie ein Fenster, das sich mit der Zeit schließt.

00:01:32: Am Anfang steht es weit offen.

00:01:34: Jede Vorerkrankung, die dazukommt, schiebt das ein Stück

00:01:36: zu.".

00:01:38: Und das zieht dann natürlich Zuschläge oder komplette Ausschlüsse nach sich?

00:01:42: Ja genau!

00:01:43: Wenn wir aus dieser jungen Altersgruppe mal rauszoomen auf alle Kunden... wie sieht denn da das Gesamtbild

00:01:49: aus?!

00:01:50: Über das große Ganze hinweg dominiert die Psyche tatsächlich immer noch – also mit über achtundzwanzig Prozent.

00:01:56: Interessant ist aber, sich die Diagnosen innerhalb der Kategorien anzuschauen….

00:02:01: Denn psychische Erkrankung ist ja kein einheitliches Bild.

00:02:04: Bei Weitem am häufigsten, ist die Depression mit vierunddreißig Prozent der Leistungsanträge.

00:02:09: Erschöpfungszustände wie Burnout folgen mit sieben Prozent.

00:02:13: Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen machen drei Prozent aus.

00:02:19: Für die Beratung heißt es bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen nicht nur pauschal nach psychischer Erkrankung fragen sondern konkret Nachhaken, Depressionen, Erschöpfung, Anpassungsstörungen.

00:02:31: Das sind fachlich unterschiedliche Baustellen und das merkt der Kunde wenn du präzise fragst statt allgemein.

00:02:37: Oft gibt es ja bei den Einwand vom Kunden bei psychischen Sachen zahlt er Versicherer am Ende doch sowieso nicht weil man das nicht beweisen kann.

00:02:44: Das ist ein hartnäckiger Mythos aber die Daten sagen da etwas ganz anderes.

00:02:50: Branchenweit liegt die Anerkennungsquote insgesamt nämlich bei fast achtzig Prozent.

00:02:55: Aber klar Bei der Psyche ist sie mit rund siebzig Prozent schon etwas niedriger als etwa bei Krebserkrankungen, wo ja rund fünfneinzig Prozent direkt anerkannt werden.

00:03:05: Warum es ausgerechnet Psychen am schwersten zu prüfen?

00:03:08: Weil zwei Dinge bei psychischen Erkrankungen besonders schwer zu bestimmen sind – der genaue Grad der Berufsunfähigkeit und ein belastbarer Erkankungszeitraum!

00:03:17: Beides muss für eine Anerkennung feststehen und beides ist bei einer Depression naturgemäß schwerer zu greifen als bei einem klar zu diagnostizierenden Tumor.

00:03:26: Okay, ich hätte jetzt spontan getippt das gleich danach die Rücken- und Bandscheibenfälle kommen.

00:03:30: Stimmt das oder ist es auch so ein Mythos?

00:03:33: Das ist richtig!

00:03:35: Auf Platz zwei folgen Erkrankungen des Muskelskelettsystemes mit knapp neunzehn Prozent.

00:03:40: Platz drei bösartige Neubildung also Krebs mit gut fünfzehn prozent.

00:03:46: Bei den Muskel und Skeletterkrankung führen Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens gefolgt von Knieatrosen.

00:03:52: bei den Krebserkrankungen liegt Brustkrebs vorn vor Dickdarm und Lungenkrebs.

00:03:57: Du hast ja schon erwähnt, dass die Anerkennungsquote bei rund achtzig Prozent liegt.

00:04:01: wenn aber doch abgelehnt wird woran liegt es dann meistens?

00:04:05: Fast sechzig prozent der Ablehnung basieren schlicht darauf das der medizinische Grad der Berufsunfähigkeit nicht erreicht wird.

00:04:12: Das ist diese bekannte fünfzig Prozent Hürde oder?

00:04:15: Richtig!

00:04:15: Der Kunde ist zweifellos krank er hat Einschränkungen Aber die Leistungsprüfung stellt fest, dass er in seinem zuletzt ausgeübten Beruf immer noch zu mehr als fünfzig Prozent arbeiten kann.

00:04:25: Was für den Grund natürlich ein oft bitteres Ergebnis ist oder?

00:04:29: Absolut!

00:04:30: Aber so ist die Gestaltung der Vertragsbedingungen.

00:04:33: An zweiter Stelle folgen dann Anfechtungen und Rücktritt mit zusammen siebenzwanzig Prozent.

00:04:38: Und das passiert wenn falsche oder eben unvollständige Gesundheitsangaben beim Abschluss gemacht werden.

00:04:43: Das ist ja auch nicht böse Absicht sondern weil bei der Gesundheitsprüfungen geschlampft wird.

00:04:48: Deshalb drauf achten, sauber Punkt für Punkt durchgehen und auch Kleinigkeiten aufführen.

00:04:52: Das entscheidet Jahre später über die Leistung.

00:04:55: Richtig!

00:04:56: Wenn nämlich in den ersten zehn Jahren der Leistungsfall eintritt prüft der Versicherer die Krankheitshistorie Und wenn sich dann verschwiegende Therapiesitzungen oder Krankheiten finden Tja... Dann wird der Vertrag eben drückwirkend angefochten.

00:05:10: Nur vier Komma sieben Prozent scheitern am sogenannten Prognosezeitraum Also dem Zeitraum für den die Berufsunfähigkeit voraussichtlich bestehen muss.

00:05:19: Das ist noch so ein Reflexthema aus dem Beratungsgespräch, die abstrakte Verweisung.

00:05:24: Am Ende schicken sie mich als Bäcker in irgendeinen Callcenter und zahlen nicht.

00:05:28: Muss ich dem Kunden diese Sorge lassen oder kann ich Sie ihm nehmen?

00:05:31: Die abstrakten Verweisungen auf andere Berufe spielten der Praxis bei den Ablehnungen heute absolut eine untergeordnete Rolle.

00:05:37: Moderne Tarife verzichten sowieso darauf!

00:05:40: Okay... Führen wir all diese Puzzleteile jetzt mal zusammen, was ist die Konsequenz daraus?

00:05:45: Erstmal für die Versicherer.

00:05:47: Für Versicherungsgesellschaften ist der Handlungsauftrag aus unserer Studie eindeutig.

00:05:51: Psychische Erkrankungen sind und bleiben auf absehbare Zeit der unangefochten Treiber der Leistungspraxis.

00:05:58: Also das Thema geht nicht weg!

00:05:59: Im Gegenteil – die Gesellschaften müssen zukünftig genau diese komplexen Krankheitsbilder in den Fokus ihrer Leistungsregulierung nehmen.

00:06:08: Und auch die Qualität der Begutachtung

00:06:10: oder?!

00:06:11: Absolut, die Verfügbarkeit von spezialisierten psychiatrischen Gutachtern ist begrenzt.

00:06:16: Daher sollten die Fähigkeiten medizinische Graubereiche schnell fair und vor allem kundenorientiert zu Bewerten ausgebaut werden.

00:06:24: Genau daran wird sich die Qualität eines Versicherers in den nächsten Jahren messen lassen müssen.

00:06:28: Die Prozesse müssen hier noch transparenter werden gerade weil es für den Kunden bei der Psyche sehr komplex ist

00:06:35: Und für die Vermittler.

00:06:36: wenn du den vermittlern eine Sache aus der ganzen Studie mitgeben könntest was wäre das?

00:06:40: Sprecht das Thema BU an, bevor der erste Arztbesuch wegen psychischer Erkrankungen im Weg steht.

00:06:46: Nicht erst mit vierzig, sondern spätestens im ersten Berufsjahr – vielleicht auch schon früher!

00:06:52: Und wenn es konkret wird, Gesundheitsfragen gemeinsam mit dem Kunden Punkt für Punkt durchgehen und nichts auslassen.

00:06:59: Okay vielen Dank für die Infos Philipp.

00:07:01: Gerne bis zum nächsten Mal.

00:07:08: Und weiterführende Artikel zum Thema findet ihr wie immer in den Show-Notes.

00:07:12: Bis zum nächsten Mal!

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