#47 - Auf den Punkt - BU-Vergleich: Männer und Frauen

Shownotes

Seit 2012 gelten Unisex-Tarife: Das Geschlecht darf den Preis einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht bestimmen. Doch gilt diese Gleichheit auch im Leistungsfall? In unserer BU-Leistungspraxisstudie 2026 liegt die Anerkennungsquote bei Männern bei 81 Prozent, bei Frauen bei 77 Prozent. Vier Prozentpunkte Unterschied, die einen genaueren Blick verdienen.

Gemeinsam mit Philipp Wedekind, unserem Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit, gehen wir den Ursachen auf den Grund. Wir sprechen über den erforderlichen BU-Grad von in der Regel 50 Prozent, über vorvertragliche Anzeigepflichten, Prognosezeiträume und Ausschlussklauseln. Außerdem zeigen wir, wie unterschiedliche Erkrankungsmuster die Quoten beeinflussen: Psychische Erkrankungen sind bei beiden Geschlechtern die häufigste Ursache, Krebs erreicht zugleich eine Anerkennungsquote von rund 95 Prozent.

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei der Rentenhöhe: Frauen erhalten im Durchschnitt 845 Euro BU-Rente, Männer 1.034 Euro. Wir ordnen ein, weshalb diese Lücke nicht in der Regulierung entsteht, sondern bereits bei der Bedarfsermittlung und Vertragsgestaltung – und was Vermittlerinnen, Vermittler und Versicherte daraus ableiten sollten.

Blogbeitrag "Berufsunfähigkeitsversicherung im Geschlechtervergleich: Gleiche Regeln, andere Realitäten"

BU-Leistungspraxis-Rating

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00:00:01: Auf den

00:00:04: Punkt!

00:00:11: Stellt euch zwei Eurer Kunden vor.

00:00:13: Gleiches Alter, gleicher Job, exakt dieselbe BU-Premie, einmal ein Mann und einmal eine Frau.

00:00:19: Beide werden im selben Monat berufsundfähig und stellen ihren Antrag.

00:00:23: Die Frage wäre jetzt hat einer oder eine von beiden bessere Karten?

00:00:29: Und was heißt es eigentlich für das, was ihr euren Kunden beim Abschluss verspricht?

00:00:33: Eigentlich dürftest da keinen Unterschied geben.

00:00:36: Grundlage dafür ist unsere neue BU-Leistungspraxis studiert.

00:00:41: Daher sind die Leistungsfälle aus dem Geschäftsjahr zwanzig vierundzwanzig, die teilnehmenden Versicherer decken über sechzig Prozent des deutschen BU-Marktes ab.

00:00:50: und die zeigt bei der Anerkennung sieht die Realität komplizierter aus als man zunächst denkt.

00:00:56: Ich klär das heute mit Philipp Wedekind unserem Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit.

00:01:01: Hallo Philipp!

00:01:03: Führt diese theoretische Gleichheit bei den Versicherungsprämien also auch zu einer echten Gleichheit?

00:01:09: Bei der Auszahlung?

00:01:10: denn seit.

00:01:11: Zwei-tausend zwölf gibt es ja diese unisextarife.

00:01:14: Richtig das geschlecht spielt bei der prämie keine rolle mehr.

00:01:18: ok lasst uns das mal aufschüsseln.

00:01:20: ich habe mir die zahlen aus unserer studie angesehen und bin direkt an einem punkt hängen geblieben, der mich stutzig gemacht hat Die Anerkennungsquoten.

00:01:28: Männer werden bei Leistungsanträgen zu Einen Achtzig Prozent anerkannt, Frauen aber nur zu sieben Siebzig Prozent.

00:01:34: Ja und ganz ehrlich auf dem Papier sieht eine Differenz von vier Prozentpunkten für mich exakt nach einer strukturellen Benachteiligung aus.

00:01:41: Ich meine wie erklären wir den Hörern und auch den Vermittlern da draußen dass das kein Unterschied ist?

00:01:46: Ja ich verstehe völlig warum dieser Gedanke aufkommt.

00:01:48: also vier Prozent Punkte Bei Zehntausenden von untersuchten Fällen sind ein ziemlicher Unterschied.

00:01:54: Aber wenn wir tief in die Ablehnung eintauchen Dann haben wir da so ein echtes AH-Erlebnis.

00:01:59: Die Regulierung durch die Versicherer ist nämlich nachweislich fair!

00:02:03: Die Sachbearbeiter prüfen nach exakt denselben medizinischen und juristischen Maßstäben.

00:02:08: Vier von fünf Anträgen werden anerkannt, Und die Ablehnung haben nachvollziehbare Gründe – die schauen wir uns gleich an.

00:02:15: Keiner davon heißt aber Mann oder Frau.

00:02:17: Okay, aber woher kommt dann diese Lücke?

00:02:20: Die Antwort liegt wirklich in den Details der Ablehmungsgründe.

00:02:23: Die sind bei beiden Geschlechtern eigentlich identisch.

00:02:26: Fast sechzig Prozent aller Anträge scheitern schlichtweg daran, dass der vertragliche BU-Grad nicht erreicht wird.

00:02:33: Jemand also nur zu dreißig oder vierzig Prozent eingeschränkt ist.

00:02:37: Aber der Vertrag zahlt halt erst ab fünfzig Prozent?

00:02:39: Ganz genau!

00:02:40: In der Regel wird erst ab einem BU-Rad von fünfzig prozent geleistet und da gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

00:02:47: Okay... Und auf Platz zwei der Ablegungsgründe haben wir die sogenannte Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht.

00:02:53: Richtig Das betrifft achtundzwanzig Prozent der abgelehnten Frauen und fünfundzwanzig Prozent der abgelähnten Männer.

00:03:01: Also Leute, die beim Vertragsabschluss bei den Gesundheitsfragen sagen wie man nicht ganz ehrlich waren oder Dinge vergessen haben?

00:03:08: Der Rücken hat schon gezwickt!

00:03:09: Man hat es aber...der Rücken hatte schon gezwickt, man hat's aber nicht angegeben.

00:03:14: Und Jahre später gibt's eben Probleme.

00:03:16: Ja so ist das.

00:03:17: Und im Gespräch winken viele genau da ab.

00:03:20: Der Ricken hat vor Jahren mal gezwickt.

00:03:21: Den lass dich wechseln, sonst wird's nichts mit dem Schutz.

00:03:24: Das ist der teuerste Gedanke überhaupt.

00:03:26: Eine verschwiegende Vorerkrankung kann der Versicherer bis zu zehn Jahre nach Vertragsbeginn geltend machen und dann steht man im Leistungsfall ohne Schutz dar.

00:03:35: Ehrliche Angaben, im Zweifel mit einer Ausschlussklausel sind fast immer besser als eine Lücke die später aufliegt.

00:03:41: Aber auch hier sind wir statistisch ja fast auf demselben Level.

00:03:45: Wo kommen denn diese vier Prozentpunkte Differenz her?

00:03:49: Der Haupttreiber ist der Diagnose-Mix mit dem Frauen und Männer eine Leistung beantragen.

00:03:53: Psychische Erkrankungen haben von allen großen Diagnosegruppen die niedrigste Anerkennungsquote.

00:03:58: Und bei Frauen laufen dreiundzwanzigkommar fünf Prozent aller Anträge über die Psyche, beim Männern nur siebzehn Prozent.

00:04:05: Das heißt, bei Frauen zieht die Pysche den Schnitt stärker nach unten einfach weil sie deutlich öfter der Grund für eine Antrag ist?

00:04:10: Richtig!

00:04:12: Männer stellen dafür häufige Anträge wegen Muskel-Skeletterkrankung rund dreizehn Komma sieben Prozent.

00:04:17: Bei ihnen nach der Psycher die zweithäufigste Ursache Bei Ihnen nach der Psyche die zweithäufigste Ursache.

00:04:24: Die Anerkennungsquote ist auch hier nicht besonders gut, aber deutlich besser als bei psychischen Erkrankungen.

00:04:30: Das schiebt den Durchschnitt bei den Männern nach

00:04:32: oben.".

00:04:32: Und dann ist da noch ein ganz eigenes Thema das auffällt – die Ausschlussglauseln!

00:04:37: Also wenn die Versicherung schon beim Abschluss sagt wir versichern dich, aber dein ohnehin schon kaputtes Knie?

00:04:42: Da schließen wir von der Leistung aus... Eine Ausschlussklausel ist ein bisschen wie den Regenschirm mit einem herausgeschnittenen Feld, genau über dem Kopf.

00:04:49: Der schützt überall nur nicht eine Einstelle an der es bei dir am wahrscheinlichsten rein

00:04:54: regnet.".

00:04:55: Genau das und diese Klauseln treffen Männer etwas häufiger – nämlich bei zwei Prozent der Ablehnung im Vergleich zu einem Prozent bei den Frauen!

00:05:02: Und warum?

00:05:03: Weil Männer gerade in handwerklich geprägten Berufen einen deutlich höheren Anteil an muskeles Geletterkrankungen haben.

00:05:09: Wie eben schon gesagt ihre zweithäufigste Ursache….

00:05:14: Und genau bei diesen Erkrankungen wird jeder vierzehnte Antrag, also rund sieben Prozent wegen einer bestehenden Ausschlussklausel abgelehnt.

00:05:22: Das ist keine Willkür, sondern Statistik!

00:05:24: Wo eine Erkrankung häufiger vorkommt, greift eben auch häufiger ein vorher vereinbarte Klausel.

00:05:29: Verstehe... Also es ist eine rein vertragliche und medizinische Logik die hier greift.

00:05:33: Keine Willküre des Sachbearbeiters.

00:05:36: Absolut keine Willköre ja.

00:05:38: Wenn also diese Bewertung fair läuft müssen wir uns ansehen welche Krankheiten eigentlich wann auftreten Und hier wird es in unseren Daten interessant.

00:05:47: Psychische Erkrankungen sind ja für beide die Nummer eins, bei Frau und Dreiundzwanzig Komma Fünf Prozent Männer siebzehn Prozent.

00:05:54: Aber wenn ich mir die Altersgruppe der fünfunddreißig bis fünfzigjährigen ansehe In dieser Phase haben Frauen plötzlich eine deutlich höhere Anerkennungsquote als Männer.

00:06:03: Wie kann das sein?

00:06:05: Um das zu verstehen müssen wir uns das warum ansehen also die Erkrankungsmuster in diesem speziellen Zeitfenster.

00:06:12: Bei Frauen zwischen fünfundreißig und fünfzig gehen erschreckende achtzehn Prozent aller Leistungsanträge auf Krebserkrankungen zurück, vor allem auf Brustkrebs.

00:06:22: Bei Männern im gleichen Alter liegt der Anteil bei Krebs nur bei zehn Prozent – und eine Krebsdiagnose ist medizinisch völlig wie näher.

00:06:30: Da gibt es pathologische Befunde und klare Stadien!

00:06:33: Der Interpretationsspielraum für den Versicherer geht gegen Null

00:06:37: Was dann zu hohen an Erkennungshoten führt richtig?

00:06:40: Ja,

00:06:40: Krebs hat die höchste Anerkennungskwote – rund ninety-fünf Prozent.

00:06:44: Weil Frauen in diesem Alter so überproportional oft wegen Krebs Anträge stellen, zieht das ihre durchschnittliche Anerkernungsquote nach oben.

00:06:52: Während Männer im gleichen Alter eher wie psychischer Leiden, Burnout, schwere Depressionen oder Muskelskelettproblem kommen?

00:07:00: Genau!

00:07:01: Insbesondere psychische Erkrankungen sind schwer nachzuweisen.

00:07:05: Es bedarf hier in der Regel viel mehr Nachweise, die der Kunde beibringen muss….

00:07:09: Erst im höheren Alter, wenn bei den Männern dann die Herz-Kreislauferkrankung zunehmen dreht sich das Verhältnis wieder zugunsten der Männer.

00:07:18: Weißt du beim Thema psychische Erkrankungen ist mir in unseren Daten noch was anderes aufgefallen?

00:07:22: Das Timing der Anträge!

00:07:25: Wir sehen beim Männern einen Anstieg der gestellten Anträge exakt im elften Vertragsjahr.

00:07:29: Das ist doch wahrscheinlich kein Zufall.

00:07:32: Nein es ist wirklich nicht.

00:07:34: Versicherer können eine Verletzung der Anzeigepflicht Also wenn du beim Abschluss was verschwiegen hast, nur bis zu zehn Jahre nach Vertragsbeginn ahnten.

00:07:42: Sobald diese Frist abläuft also mit Beginn des elften Jahres sinkt das Risiko einer Anfechtung rapide und plötzlich gehen bei Männern die Anträge wegen psychischer Erkrankungen hoch.

00:07:53: Ah ok!

00:07:53: Die beißen also die Zähne zusammen schleppen sich zur Arbeit und warten diese Fris ab Aus reiner Angst dass ihnen der alte Therapiebesuch den Schutz kostet?

00:08:01: So wird es wahrscheinlich sein.

00:08:03: Was das aber so interessant macht?

00:08:05: Bei den Frauen sehen wir dieses Muster überhaupt nicht.

00:08:09: Da steigt die Kurve bei psychischen Erkrankungen sehr viel konstanter bis zum achtzenden Versicherungsjahr an und gipfelt erst im zwanzigsten Jahr.

00:08:17: Interessant ist auch der Blick auf die Höhe der BU-Renten.

00:08:19: mehr Männern und Frauen, denn sie müssen bei der Rentenhöhe am Ende eigentlich eh nicht dastehen – genau da zeigt sich eine große Lücke!

00:08:29: Frauen erhalten durchschnittlich eighthundertfünfvierzig Euro Rente, Männer tausend vierunddreißig.

00:08:34: Das ist eine Differenz von achtzehn Prozent.

00:08:38: Zum Vergleich der branchenübergreifenden Gender Pay Gap liegt aktuell bei sechzehn prozent nur zwei Prozent Punkte unter unserer BU Zahl.

00:08:45: das ist kein großer Unterschied vor allem wenn man bedenkt dass viele laufende BU Verträge schon Jahre oder Jahrzehnte alt sind.

00:08:52: beim Anteil der Renten über Tausend Euro holen Frauen zwar langsam auf aber im oberen Segment wächst der Abstand.

00:08:58: Bei Renten über zweitausend Euro-Monats sind Männer mit gut zwölf Prozent mehr als doppelt so häufig vertreten wie Frauen, mit knapp über sechs Prozent.

00:09:06: Wo entsteht diese Lücke?

00:09:08: Mit der Leistungsregulierung hat die Lücke auf jeden Fall nichts zu tun.

00:09:12: Der Versicherer zahlt exakt die Rente, die vertraglich vorgesehen ist.

00:09:16: Die Lücke entsteht schon vorher in der Beratung In der Höhe, die versichert wird und danach über Jahre hinweg oft nicht angepasst wird.

00:09:25: Frauen und Männer schließen ihre BU im Schnitt fast im selben Alter ab mit ungefähr Mitte dreißig.

00:09:30: Das Risikobewusstsein ist bei beiden da, aber Frauen übersetzen dieses Bewusstsein beim Abschluss einfach nicht in existenzsichernde Rentenhöhen.

00:09:40: Das risikobwusstsein isst beidem da, Aber Frauen übersetzten dies nicht in existenzsicherne Rentenhöhe.

00:09:47: Also was bedeutet das alles?

00:09:48: Vor allem für dich, wenn du gerade zu hast und in der Beratung tätig bist oder selbst vor einem Abschluss schlägst.

00:09:52: Wie lösen wir das?

00:09:53: Unsere zentralen Erkenntnisse für die Praxis sind eigentlich ziemlich klar!

00:09:57: Für Frauen sind eighthundertfünftvierzig Euro-BU-Rente schlichtweg nicht ausreichend.

00:10:03: Wer hier keine realistische Bedarfsermittlung durchführt und keine Dynamisierung einschließt, leistet mangelhafte Arbeit.

00:10:11: Und zweitens betrifft dann wahrscheinlich beide Geschlechter in den Jahren.

00:10:15: Ja, psychische Erkrankungen sind die Ursache Nummer Eins Bei einer Erneckungsquote von allerdings nur seventy-fünf Prozent, spürbar niedriger als bei Krebs.

00:10:23: Das erfordert bei der Beantragung eine saubere Aufbereitung der Unterlagen um im Leistungsfall diesen fünfzig Prozent Grad wirklich beweisen zu

00:10:31: können.".

00:10:31: Okay lasst uns das mal zusammen fassen.

00:10:33: die Versicherer regulieren fair und ohne Geschlechtsunterschiede.

00:10:36: niemand wird abgelehnt nur weil sie ne Frau oder eher ein Mann ist.

00:10:40: Die schlechte Nachricht ist jedoch dass diese Lücke bei der Absicherung schon vor der Vertragsunterschrift entsteht.

00:10:47: Aber, und das ist es Wichtige.

00:10:49: Es ist ein lösbares Beratungsproblem.

00:10:51: Wenn du den Vermittler da draußen dazu noch eine Sache mitgeben könntest was wäre das?

00:10:55: Eine BU-Rente ohne Dynamik ist wie ein Gehalt Das heute vereinbart wird Und dass dann dreißig Jahre nie angepasst wird.

00:11:02: Was heute knapp reicht Ist nach einigen Jahren nicht mehr ausreichend Rechnet nicht mit dem Einkommen von Heute Sondern baut den Vertrag so Dass er mitwächst.

00:11:10: Dynamisierung rein Nachversicherungsmöglichkeiten prüfen.

00:11:14: Ok Danke für deine Zeit für heute Philipp.

00:11:17: Gerne, bis zum nächsten

00:11:43: Mal.

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