#46 - Auf den Punkt - BU-Regulierungsdauer

Shownotes

Eine BU-Leistungsprüfung dauert im Durchschnitt 201 Tage. Wo entstehen die Verzögerungen – und wie können Vermittler ihre Kunden unterstützen? In der neuen Folge analysieren wir mit Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und private Risiken, die Regulierungsdauer in der Berufsunfähigkeitsversicherung und leiten konkrete Empfehlungen für die Beratungspraxis ab.

Wir klären unter anderem, warum Kunden durchschnittlich 43 Tage für den Leistungsfragebogen benötigen, welche Unterlagen besonders häufig zu Rückfragen führen, weshalb Anerkennungen bei psychischen Erkrankungen im Schnitt 286 Tage dauern, warum die Höhe der versicherten BU-Rente keinen Einfluss auf die Regulierungsdauer hat, wie ein AU-Baustein oder Krankentagegeld die Wartezeit finanziell überbrücken können und was eine sorgfältige Bedarfsermittlung für die spätere Leistung bedeutet.

Unser Fazit: Gute BU-Beratung endet nicht mit dem Vertragsabschluss. Sie bereitet Kunden auch auf den möglichen Leistungsfall vor – ehrlich, realistisch und mit einer passenden finanziellen Brücke.

Blogbeitrag - Berufsunfähigkeitsversicherung: Wie lange warten Versicherte auf ihre Leistungsentscheidung?

BU-Leistungspraxis-Studie 2026

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00:00:01: Auf den Punkt.

00:00:11: Also stelle mir mal für einen kurzen Moment so ein Szenario vor, du hattest einen schweren Bandscheibenvorfall oder einen Unfall oder Herzinfarkt und kommst nicht so richtig auf die Beine wieder?

00:00:20: Oder nen Burnout und deine Psyche macht einfach überhaupt nichts mehr mit!

00:00:24: Du kannst doch im Moment nicht arbeiten und bist schon länger krank geschrieben und es kommt so langsam die Sorge auf wie geht's eigentlich in Zukunft weiter auch

00:00:32: finanziell?!

00:00:33: Und dann fällt dir irgendwann wieder ein Hey, ich war ja schlau.

00:00:37: Ich habe rechtzeitig eine Berufsunfähigkeitsversicherung, also eine BU abgeschlossen.

00:00:40: Du meldest also bei deinem Versicherer die BU an und lehnst dich innerlich erstmal ein bisschen zurück Und dann wartest du im Schnitt aber über sechs Monate bis es zu einer Entscheidung kommt.

00:00:50: Diese sechs Monate können sich sehr lange anfühlen Weil du dir Sorgen machst ob du langfristig deine Rechnung noch zahlen kannst.

00:00:57: und gerade weil die BU Leistungsprüfungen oft viel länger dauert als bei anderen Versicherungsfällen Schauen wir uns heute mit Christian Monke auf Basis unserer BU-Leistungspraxisstudie die Sache genauer an.

00:01:08: Hallo, Christian!

00:01:09: –

00:01:10: Hallo!

00:01:10: Wir wollen heute wissen warum dauert das so lange im Schnitt über sechs Monate?

00:01:14: Und viel wichtiger noch was kannst du als Versicherungsvermittler tun damit dein Kunde nicht nervös wird und bestenfalls auch noch schneller zu seiner BU Rente kommt?

00:01:22: Genau da müssen wir nämlich ansetzen.

00:01:25: Also die reinen Zahlen sind ja das eine Die kann man erklären.

00:01:28: Aber die Ableitung für die Beratungspraxis Das ist das was am Ende wirklich zählt.

00:01:33: Diese Wartezeit ist natürlich schon überraschend für jeden Kunden, der beim Abschluss noch dachte ich weiß ja dann wenn ich krank bin und reiche einfach nach Test vom Arzt ein.

00:01:42: Und nächste Woche ist die Rente da!

00:01:44: Ja das sind Grunde die Erwartungshaltung.

00:01:46: bei anderen Versicherungen läuft es ja auch oft so Wenn man im Auto einen Unfall hatte oder auch im Ausland mal krank war dann brauchen die Versicherer vielleicht ein paar Wochen für die Bearbeitung aber nicht Monate.

00:01:56: In der BU sind's aber zweihundert Eintage Gesamtregulierungsdauer im Schnitt für das Jahr.

00:02:02: Also wenn ich mich jetzt mal in die Rolle des Kunden versetze, dann bestätigt das doch eins zu eins jedes Stammtisch vor Urteil über Versicherung.

00:02:08: So nach dem Motto Die spielen absichtlich auf Zeit, sie sitzen die Sache aus, blockieren da irgendwie rum.

00:02:14: Das ist oft die Wahrnehmung.

00:02:16: Ist das also eine bewusste Hinhaltetaktik um Geld zu sparen?

00:02:18: Was sagen unsere Daten da?

00:02:21: Also unsere Daten und auch unsere Erfahrungen widerlegen diese Stamm-Tisch-These deutlich.

00:02:26: Wir sind im Rahmen unserer Unternehmensratings ja auch regelmäßig bei den Versicherern vor Ort Und schauen uns die Arbeitsprozesse an.

00:02:33: Wenn ein Versicherer eine Leistung final ablehnt, dauert der gesamte Prozess im Schnitt zweihundert acht Tage.

00:02:39: Wenn er die Leistungen aber anerkennend – wenn er also wirklich zahlt – dauert das im Sitz hundertzweinneunzig Tage.

00:02:46: An Erkennungen gehen also in der Regel etwas schneller als Ablehnungen.

00:02:49: Die Versicherern machen es sich mit einer Ablehnung also keineswegs leicht.

00:02:53: Okay?

00:02:54: Wenn ein versicherer Nein sagt, dann muss dieses Nein juristisch, medizinisch und prozessual absolut wasserdicht sein!

00:03:02: Ansonsten kann nämlich ein jagerlanger Gerichtsprozess drohen und darauf hat kein Versicherer Lust.

00:03:07: Es wird also nicht einfach nach irgendeinem Schlupflauch gesucht, jeder Stein wird zweimal umgedreht.

00:03:12: Und das zeigt uns ganz klar die Versicherern wollen fair und objektiv regulieren wobei es natürlich immer mal einen Einzelfall geben kann wo im Prozess beim Versichere irgendwann schiefläuft.

00:03:22: Aber wir müssen auch feststellen Die Leistungsprüfung dauert in vielen Fällen einfach wahnsinnig lange.

00:03:28: Okay, das entkräftet jetzt diesen Vorwurf der bösen Absicht schon mal.

00:03:34: Aber es erklärt mir ja nur nicht wo diese zweihundert Einztage dann konkret liegen bleiben?

00:03:38: Wer ist denn jetzt der Bremsklotz in diesem System?

00:03:41: Also der Prozess beginnt mit allerersten Meldung des Leistungsfalls und hier sind die Versicherer interessanterweise extrem schnell.

00:03:49: Aha!

00:03:49: Wie

00:03:49: schnell?!

00:03:50: Im Schnitt vergehen nach der ersten Meldungen gerade einmal drei Komma sechs Tage bis der Versichererin den Ball zurück spielt und Kontakt zum Kunden aufnimmt.

00:03:59: Okay, drei Komma sechs Tage da kann man dem Versicherer nun kein Vorwurf machen.

00:04:03: Aber was passiert in danach?

00:04:05: Danach kommt der erste Flaschenhals und er liegt ironischerweise relativ oft beim Kunden selbst.

00:04:11: Der Versichererschick dann mit den Leistungsfahrgebogen raus und dieser Fragebogen ist einfach sehr komplex weil der Versicherter ja nicht nur die Erkrankung selbst prüfen muss sondern auch wie sich die Erkranken auf den konkreten Beruf auswirkt.

00:04:23: Da wird die komplette Historie der Krankheit abgefragt und dann auch eine möglichst minutengenaue Beschreibung des bisherigen Berufsalltags.

00:04:31: Und natürlich die Nennung aller behandelnden Ärzte der letzten Jahre inklusive dieser ganzen Schweigefließentbindungen.

00:04:38: Das ist ja schon anspruchsvoll.

00:04:40: Genau das ist es!

00:04:42: Und jetzt stell dir mal vor, du machst das nicht an einem sonnigen Sonntagvormittag mit einer schönen Taste Kaffee sondern während du vielleicht gerade eine schwere Chemotherapie durchmachst oder während du mitten in einer schweren klinischen Depression steckst wo ja selbst das Aufstehener morgen schon eine unüberwindbare Hürde ist.

00:04:58: Jede Frage nach irgendeinem alten Arzt befunden oder jede geforderte Tätigkeitsbeschreibung fühlt sich dann wahrscheinlich an wie ein unbezwingbarer Berg.

00:05:06: Ja genau, die Kunden haben im Jahr zwanzig vierundzwanzig durchschnittlich dreiviertzig Komma sechs Tage gebraucht um diesen Fragebogen auszufüllen und zurückzusetzen.

00:05:15: Und die Tendenz ist sogar steigend!

00:05:17: Das sind drei Tage mehr als noch vor ein paar Jahren also zwanzigeinen Zwanzig.

00:05:21: Die Komplexität dieser Formulare kann also kranke Menschen oft bevorderen.

00:05:25: Andererseits sehen wir aber auch immer wieder Fälle, in denen die Unterlagen nach ein paar Tagen schon zurückkommen und wiederum Fälle bei denen der Kunde sich melde und von sich aussagt das es länger dauert weil er zum Beispiel gerade im Krankenhaus liegt oder in der Reha.

00:05:37: diese Fälle gehen natürlich auch in die Statistik

00:05:39: ein.

00:05:40: In diesen über dreieinfünfzig Tage ist der Ball also beim Kunden.

00:05:44: Hast du vielleicht einen Tipp für Kunden?

00:05:46: Oder auch für den Vermittler wenn man mit dem Fragebogen nicht klar kommt

00:05:50: Auf jeden Fall nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern mit dem Versicherer sprechen.

00:05:54: Die wollen und können nämlich durchaus unterstützen.

00:05:57: Zum Beispiel kann man mit dem Leistungfrüfer zusammen am Telefon oder in einem Video Chat den Fragebogen durchgehen.

00:06:03: Oder viele Versicherern bieten auch an meist über einen Dienstleister dass sie eine medizinische Fachkraft zum Kunden nach Hause schicken die da den Fragebogen aufnimmt.

00:06:12: Da geht ganz viel und das sollte man als Kunde unbedingt nutzen Und natürlich kann sich hier auch der Versicherungsvermittler einbringen und seinen Kunden unterstützen.

00:06:21: Und wie geht es dann weiter, wenn der Fragebogen zurückgeschickt wurde?

00:06:25: Wenn die Unterlagen da sind braucht er versichererdurchschnittlich noch einmal achtzehn Tage.

00:06:30: Achtzehn Tage, wofür?

00:06:32: Um diesen ausgefüllten Fragebogeln die ganzen mitgelieferten Unterlagen auszuwerten!

00:06:36: Okay, warte mal, achtzehnt Tage das sind fast drei Wochen.

00:06:39: eigentlich muss nur der Brief geöffnet und gelesen werden.

00:06:42: warum dauert das fast drei wochen?

00:06:43: weil das in der Praxis nicht einfach nur so ein bisschen lesen ist.

00:06:47: Da geht es ja um komplexe medizinische Unterlagen, Krankenhausberichte oder Reha-Berichte zum Beispiel.

00:06:52: Oft scheitert das aber auch schon im ersten Schritt an ganz profanen Dingen – z. B., dass Einkommensnachweise fehlen oder dass nicht alle Fragen beantwortet wurden.

00:07:01: Am häufigsten gibt es aber Probleme mit der Schweigepflichtsentbindung für die Ärzte, wie der Kunde genannt hat.

00:07:06: Wenn der Knde keine allgemeine Schweigekpflichtentbindung gibt muss der Versicherer diese erst wieder für alle Ärzten einzeln beim Kunden anfordern.

00:07:13: Dann sind wieder mal schnell zwei Wochen weg!

00:07:16: Gestern nach kann der Versicherer dann in die weitere Aufklärung des Falles einsteigen und Ärzte oder Krankenkassen anschreiben.

00:07:22: Okay, das bedeutet also es vergehen fast zwei Monate nur durch das Hin- und Her von Formularen?

00:07:28: Wenn dieser Papierkram sortiert ist was bestimmt dann das weitere Tempo?

00:07:32: Ist das einfach die Auslastung der Sachbearbeiter?

00:07:35: Ja auch!

00:07:36: Aber noch mehr bestimmt die medizinische Sachlage ab diesem Punkt.

00:07:39: das Tempo und genauer gesagt die A der Diagnose Die Schwere, die Eindeutigkeit und auch die Messbarkeit an der Krankheit entscheiden maßgeblich darüber wie lange du als Kunde auf dein Geld wartest.

00:07:51: Also haben wir quasi schnelle und langsame Krankheiten im System.

00:07:55: Was geht in einem schnellsten?

00:07:58: Am schnellsten geht es interessanterweise bei bösartigen Neubildungen also bei Krebs.

00:08:03: Hier liegt die Regulierungsdauer bei einer Anerkennung bei hundertundvier Tagen.

00:08:08: Das ist immer noch recht lang.

00:08:09: wieso ist das so?

00:08:10: Du musst auch hier den Mechanismus hinter den Kulissen drehen.

00:08:14: Selbst wenn der Onkologe Glas klar sagt, okay das ist ein bösartiger Tumor der Stufe drei dann prüft der Versicherer parallel trotzdem die sogenannte vorvertragliche Anzeigepflicht.

00:08:25: Jedenfalls immer dann, wenn der Vertrag noch nicht allzu lange läuft.

00:08:28: Verstehe Sie schauen also ob der Kunde beim Vertragsabschluss für fünf Jahren vielleicht schon Symptome hatte, die er verschwiegen hat?

00:08:34: Exakt!

00:08:35: Der Versicher holt sich denn die Akten vom Hausarzt oder von der Krankenkasse für den letzten Jahre?

00:08:40: Er muss ja sicherstellen, dass nicht schon vor Vertragsabschluss irgendwelche auffälligen Blutwerte oder Knoten untersucht wurden die man dann bewusst verschwiegen hat.

00:08:49: Und das Einholen dieser alten Akten kann mitunter sehr lange dauern – selbst wenn die aktuelle Krebsdiagnose innerhalb von zwei Tagen vom Leistungsfrüh bestätigt wird.

00:08:58: Dennoch muss man sagen im Vergleich zum Rest ist Krebs mit hundert vier Tagen der absolute Expressfall auch weil viele Versicherer hier mittlerweile spezielle beschleunigte FastTrack Verfahren etabliert haben.

00:09:10: Wenn es keine Auffälligkeiten gibt oder eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung nicht vermutet wird, kann auch schon mal innerhalb einer oder zwei Wochen entschieden werden.

00:09:20: Okay was zieht denn die Regulierungsdauern dann in die Länge?

00:09:23: Psychische Erkrankungen!

00:09:25: Denn diese mit über achtundzwanzig Prozent, die mit Abstand häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit überhaupt.

00:09:31: und genau hier messen wir die aller längsten Regelungsdauern.

00:09:34: Die Anerkennung bei einer psychischen Erkrankung dauert im Schnipp zwarhundertsechsen-achtzig Tage und an der Ablehnung.

00:09:45: Das

00:09:48: Problem ist halt nicht der fehlende Wille, sondern die völlig unzureichende Infrastruktur.

00:09:52: Insbesondere was Gutachter angeht.

00:09:54: Ich erkläre das mal ein bisschen ausführlicher Man muss sich nochmal vor Augen halten Was der Versicherer bei der BU eigentlich prüfen muss.

00:10:02: Es geht hier ja nicht nur darum festzustellen ob der Kunde krank oder gesund ist Sondern die Leistungsprüfer müssen sich ein Bild darüber machen, ob der Kunde seine ganz individuelle berufliche Tätigkeit zu fünfzig Prozent nicht mehr ausüben kann.

00:10:14: Und das Ganze dann nur nach Aktenlage?

00:10:16: Denn der Kune steht ja nicht vor allem im Büro!

00:10:19: Genau und gerade bei psychischen Erkrankungen ist diese Einschätzung nach Akkenlage besonders schwierig weil hier oft verschiedene Ärzte im Spiel sind und berichten nicht sonderlich aussagekräftig oder es gibt ganz unterschiedliche Beschwerdebilder zum Beispiel auch körperliche Beschwärden aufgrund von psychosomatischen Ursachen.

00:10:36: Daher werden bei psychischen Erkrankungen häufiger Gutachten angefordert.

00:10:40: Das heißt, dass der Kunde sich von einem Gutachter untersuchen lassen muss, der dann die genauen Fragestellung, die der Versicherer aufgibt im Rahmen einer persönlichen Untersuchung abklärt.

00:10:50: Der Gutachtern sieht also den Kunden persönlich was der Leistungsprüfer nicht kann.

00:10:55: Der Markt für qualifizierte psychologische Gutachters ist aber einfach viel zu klein!

00:10:59: Wir haben ein großes Volumen an Fällen – nicht nur von den BU-Versicherern sondern beispielsweise auch von der gesetzlichen Rentenversicherung für die Erwerbsminderungsrenten.

00:11:08: Und sie pressen alle auf einen winzigen Pool an Fachärzten ein.

00:11:12: Jeder kennt das ja, wenn du als Patient versuchst nur einen ganz normalen Therapieplatz zu bekommen beträgt die Wartezeit der schon Monate.

00:11:18: Das stimmt!

00:11:19: Jetzt stell dir vor, du brauchst keinen Therapie Platz sondern einen hochspezialisierten Arzt, deren umfangreiches juristisch und medizinisch unangreifbares Gutachten über deine Berufsunfähigkeit schreibt.

00:11:31: Ein Psychiater kann sich nicht einfach nur fünf Minuten Zeit nehmen dafür.

00:11:35: Das ist ein tagfüllender Prozess pro Patient.

00:11:38: Und so dauert es oft sehr lange, bis du überhaupt mal der erste Termin stattfindet!

00:11:42: Das ist schon betrückend.

00:11:43: also ausgerechnet die Leute, die psychisch eh schon am Ende sind, deren Antrieb im Keller ist, die müssen den längsten Kampf ausfechten weil einfach das ärztliche Personal fehlt?

00:11:51: Es ist leider so ja...

00:11:53: Das wirft bei mir sofort eine Folgefrage auf.

00:11:56: Wir haben also einen Ressourcenproblem bei den Gutachtern und wenn eine Ressource so extrem knapp ist dann wird in der Wirtschaft ja normalerweise priorisiert Und zwar nach finanziellem Risiko.

00:12:07: Setzt der Versicherer also seine besten Leute gezielt auf die großen teuren Fälle an?

00:12:11: Also wird bei einer beantragten Rente von drei tausend Euro im Monat genauer, länger und strenger geprüft als bei so ner kleinen Mini-Rente von fünfhundert Euro?

00:12:23: Aus dem Bauchgefühl heraus müsste die Antwort eigentlich ja lauten!

00:12:26: Die Daten sagen aber ganz klar dass es da absolut keinen Zusammenhang gibt... ...die Rentenhöhe beeinflusst die Regulierungsdauer überhaupt nicht Ob es jetzt um fünfhundert Euro oder um dreitausend Euro geht.

00:12:37: Die Mühlen malen exakt gleich schnell, oder gleich langsam Der Prozesse sozusagen völlig blind für die Summe.

00:12:43: Das spricht ja irgendwie auch wieder sehr für die Objektivität der Versicherer.

00:12:46: Aber ich werde beim Thema Rentenhöhe gibt's noch mehr, oder?

00:12:49: Richtig Wir haben uns die Verteidigung der Rentenhöhemmer ganz genau angesehen Und dabei offenbart sich ein Muster bei dem da eine oder andere Vermittler vielleicht ins Grübeln kommt.

00:12:59: Sowohl bei Anerkennungen als auch bei Ablehnung sehen wir eine unglaubliche Häufung der versicherten Rentenhöhlen bei ganz glatten Beträgen.

00:13:07: Glatte Beträge?

00:13:09: Ja, es gibt Spitzen bei exakt fünfhundert Euro, exakt Tausend Euro und exakt tausend Fünfhundert Euro.

00:13:16: Na gut Menschen lieben Runde zahlen!

00:13:20: Weil das der Beweis für eine fehlende saubere Bedarfseinbindung bei Abschluss ist.

00:13:24: Wenn am Ende da tausen Euro glatt im Vertrag stehen dann habt ihr als Berater und Kunde wahrscheinlich eher nach dem Bauchgefühl entschieden.

00:13:32: Da hat niemand exakt nachgerechnet.

00:13:34: Niemand hat gefragt, wie hoch sind denn die realen Fixkosten?

00:13:38: Oder wie hoch ist die tatsächliche Lücke nach dem Auslaufen des Krankengeldes.

00:13:43: Verstehe, wenn ich das nämlich seriös rechne dann komme ich jetzt zwangsläufig auf irgendwelche Krummsummen wie... ...¥³³... oder sowas.

00:13:51: Ganz genau!

00:13:52: Aber das ist ja eigentlich nur das halbe Problem,

00:13:54: oder?!

00:13:55: Was macht denn die Inflation mit diesen glatten Summen?

00:13:57: Genau,

00:13:58: das ist der entscheidende Punkt!

00:14:00: Diese runden Summen in der Leistungsphase beweisen uns dass beim Abschluss etwas Wichtiges einfach vergessen oder weggelassen wurde und zwar die Beitrags- und Leistungsdynamik.

00:14:10: Wenn ein Vertrag vor fünfzehn Jahren mit tausend Euro und einer Dynamik abgeschossen wurde, dann hast du im Leistungsfall heute niemals exakt tausende Euro dastehen.

00:14:18: Dann hast du vielleicht tausen zweihundertvierundachtzig oder so weil die Rente Jahr für Jahr mit der Kaufkraft eben mitgewachsen ist.

00:14:25: Das heißt, wenn heute diese exakten tausend Euro zur Auszahlung kommen dann hat der Kunde ein Problem.

00:14:31: Weil vor zehn Jahren klang diese tausende Euro ja vielleicht nach einer soliden Basis.

00:14:35: Absicherung für die Miete bisschen Essen.

00:14:38: aber heute mit der erheftigen Inflation die wir hinter uns haben zahlst du davon vielleicht noch deine Warmhiete und Stromabschlag?

00:14:44: Und dann ist das Konto ratzeputz leer!

00:14:47: Genau dann fällt ihr als Vermittler voll auf die Füße.

00:14:50: Die BU hat ihren eigentlichen Zweck also den Schutz der finanziellen Existenz dann verfehlt.

00:14:56: Der Kunde ist berufsunfähig, der Versicherer zahlt nach zweihundert Tagen und der Kunde hat trotzdem ein Problem weil das Geld einfach nicht

00:15:02: reicht.".

00:15:03: Das ist der Moment wo wir das ganze mal vielleicht in den Vertriebsalltag übersetzen müssen.

00:15:09: also wenn ich als Vermittler diese Zahlen jetzt kenne die rund zweihundert Tage Wartezeit diesen Flaschenhals bei der Psyche Die Gefahr der runden Summen was genau mache ich morgen früh im allererstem Kundengespräch anders?

00:15:22: Das Fundament ist erstmal das Erwartungsmanagement.

00:15:25: Wenn du dem Kunden die BU erklärst mit den durchaus guten Anerkennungskoten, die ja beweisen dass die Versichere auch willens sind im Ernstfall zu zahlen.

00:15:32: Dann musst du auch ehrlich erwähnen das so ein Prüfprozess schon mal sechs Monate oder länger dauern kann wobei der Versicherer im Regelfall Rückwirken leistet.

00:15:40: also zum Beginn der BU.

00:15:42: Man muss dem Kunden klar machen ich lasse dich in den sechs Monaten Wartezeit aber nicht allein.

00:15:47: Du musst dem Kunden also finanziell Brücken bauen.

00:15:49: Eine Lösung könnte der Einschluss von Arbeitsunfähigkeitsbausteinen sogenannten AU-Baustein der BU sein oder alternativ ein separat abgestimmtes kranken Tagegeld.

00:15:59: Okay, aber auch da grätsch ich nochmal rein!

00:16:01: Ein AU Baustein kostet ja wieder extra und der Kunde falscht oft um jeden Euro bei der Monatsprämie.

00:16:07: wie verkaufe ich diesen Aufpreis denn ohne dass der kunde denkt ich will einfach nur meine Provision hochtreiben?

00:16:12: Indem du ihm genau den Mechanismus erklärst dem wir heute besprochen haben?

00:16:16: Der AU baustein hat nämlich einen völlig anderen Auslöser er greift nicht erst beim nachgewiesener Berufsunfähigkeit sondern schon bei ärztlich attestierter Arbeitsunfähigkeit, je nach Tarif meist ab vier oder sechs Monaten durchgehender Krankschreibung.

00:16:30: Der Versicherer muss dafür kein großes medizinisches Gutachterverfahren anstoßen.

00:16:35: Ein qualifiziertes Attest vom behandelnden Facharzt reicht und der Baustein zahlt die Rente vorübergehend aus, während im Hintergrund der eigentliche Beobrüfung in Ruhe erläuft.

00:16:44: Genau die zweihundert Tage über die wir gesprochen haben, überbrückt der Baustelle also.

00:16:48: Wenn ich das so argumentiere ist der Aufpreis für den Baustell plötzlich gar keine lästige Kostenstelle mehr sondern der eigentliche Rettungsschirm.

00:16:55: Und was ist Deine Handlungsanweisungen zum Thema Rentenhöhe?

00:16:59: Auf jeden Fall eine seriöse Bedarfsermittlung!

00:17:02: Wir müssen dringend weg von diesen runden Summen, rechner mit dem Kunden auf den Euro genau aus, was sein Leben kostet und auch viel wichtiger Dynamikoptionen proaktiv in den Vertrag einbauen.

00:17:12: Auch Nachversicherungsgarantien sind ein gutes Instrument um die BU-Rente bedarfgerecht anwachsen zu lassen.

00:17:18: Christian, zum Schluss wie immer noch eine Frage.

00:17:20: Wenn du den Vermittlern heute nur eine einzige Sache mitgeben könntest was wäre das?

00:17:25: Nicht nur im Vertrag sondern auch dem Leistungsfall gleich mitverkaufen also Kunden schon im Abschlussgespräch sagen dass die BGU ein gutes und wichtiges aber auch kompliziertes Produkt ist und eine Leistungsprüfung später eventuell kein Selbstgänger und eine Brücke dafür einbauen ob über einen AU-Baustein oder einen kranken Teigengeld.

00:17:42: Ich danke dir Christian bis zunächst mal.

00:17:44: Gerne, bis zum nächsten

00:18:10: Mal.

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