#40 - Auf den Punkt - Beiträge in der PKV
Shownotes
PKV-Beiträge im Höhenflug – was steckt wirklich dahinter?
Beitragsanpassungen von über 10 % sind für viele Privatversicherte Realität – und sorgen für Gesprächsbedarf. Doch was sind die tatsächlichen Ursachen? Handelt es sich um Fehlkalkulation der Versicherer oder steckt mehr dahinter?
In dieser Folge analysieren wir die aktuellen Entwicklungen in der privaten Krankenversicherung fundiert und datenbasiert. Wir zeigen, warum Beitragsanpassungen gesetzlich ausgelöst werden, welche Rolle medizinischer Fortschritt, Demografie und systemische Ineffizienzen spielen – und warum die Erhöhungen häufig „auf einen Schlag“ kommen.
Für Vermittler liefern wir die entscheidenden Argumente, um Kundengespräche souverän zu führen – sachlich, transparent und faktenbasiert.
Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. zu Beitragserhöhungen
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00:00:01:
00:00:12: Stell dir mal vor, dein Telefon klingelt.
00:00:14: Am anderen Ende ist einer deiner treuesten Kunden und der will sich mal richtig Luft machen.
00:00:19: Der Beitrag für seine private Krankenversicherung ist nämlich in den letzten Jahren mehrfach gestiegen Mal um zehn Prozent zuletzt sogar am fünfzehn Prozent.
00:00:28: Dabei ist er eigentlich kerngesund keine schweren Krankheiten keine Rechnung die ihr eingereicht hätte.
00:00:32: Ja willkommen im Jahr zwanzig sechsundzwanzig
00:00:34: Richtig.
00:00:35: Für viele Versicherungsvermittler ist genau dieses Szenario immer öfter Realität.
00:00:40: Die Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung erreichen in der letzten Zeit historische Dimensionen.
00:00:46: Das ist leider echt keine Übertreibung, wir blicken hier auf die kräftigsten Beitragsanpassungen seit einem Vierteljahrhundert!
00:00:53: Also auf jeden Fall Zeit für eine Analyse und eben auch für Vermittler sind die harten Fakten gerade jetzt wichtig um sich für hitzige Kundengespräche auszurüsten.
00:01:02: Lass uns das also mal auftröseln.
00:01:04: Warum passiert das Ganze ausgerechnet jetzt?
00:01:07: Also um das zu verstehen, müssen wir zunächst mal die Dimensionen abstecken.
00:01:10: Der MAP-Report liefert dafür echte Zahlen für den Jahreswechsel zwanzig fünfundzwanzig.
00:01:15: Für zwanzich sechsundzwannzig sah es aber auch nicht besser aus im Gegenteil.
00:01:19: Für Angestellte zeigen die Beobachtungen aus dem letzten Jahr einen durchschnittlichen Anstieg von zehn Komma sechs Prozent.
00:01:26: Um dass man ins Verhältnis zu setzen, im Jahr davor lagen wir bei rund vier Komma acht Prozent.
00:01:30: Das ist die kräftigste Anpassung seit fünfzwanziger Jahren.
00:01:33: Die Spanne ist dabei wie üblich groß.
00:01:35: Zwei Versicherer konnten auf Anpassung weitestgehend verzichten, andere erhöhten um bis zu zwanzig Prozent.
00:01:41: Der PKV-Verband selbst rechnete für den Jahreswechsel twenty sechsundzwanzig damit dass wir etwa sechzig Prozent aller Privatversicherten die Beiträge steigen müssen und zwar im Schnitt um die dreizehn Prozent.
00:01:53: Wenn ich jetzt Kunde bin da frage mich natürlich sofort Haben die Versicherern die letzten Jahre einfach geschlafen?
00:01:59: Und wachen jetzt geradeauf?
00:02:00: Ja Das ist eine verständliche Frage, denn aus Kundensicht wirkt dieser plötzige Sprung oft wie pure Willkür oder eben schlechtes Management der Versicherer.
00:02:10: Die Realität ist aber eine strenge gesetzliche Mechanik, denn ein privater Krankenversicherer darf die Beiträge nicht einfach jedes Jahr sanft an die allgemeine Inflation anpassen.
00:02:21: Sondern?
00:02:22: Der Gesetzgeber zwingt die Gesellschaften zu warten bis die tatsächlichen Leistungsausgaben in einem Tarif nachweislich um einen festgelegten Schwellenwert von den ursprünglich kalkulierten Ausgaben abweichen.
00:02:33: Ah, dieser berühmte auslösende Faktor!
00:02:37: Der liegt meistens bei zehn Prozent.
00:02:39: so richtig?
00:02:40: Exakt, bei einigen Versichern aber auch nur bei fünf Prozent.
00:02:44: Okay das bedeutet also die Kosten im Gesundheitswesen steigen über Jahre hinweg immer so schleichend an drei Prozent in diesem Jahr und vier Prozent im nächsten?
00:02:55: Ja genau, der Versicherer sieht das natürlich darf den Beitrag für den Kunden aber nicht anrühren.
00:03:00: Und sobald diese unsichtbare fünf oder zehn Prozentlinie dann gerissen wird gibt er unabhängige Treuhänder quasi grünes Licht.
00:03:08: Das ist dann der Moment, an dem die Dämme brechen sozusagen.
00:03:11: Richtig!
00:03:12: Denn dann müssen nicht nur diese gestiegene medizinischen Leistungsausgaben der letzten Jahre auf einen Schlag nachgeholt werden.
00:03:19: Sobald der Schwellenwert gerissen ist, müssen zwingt auch alle anderen Rechnungsgrundlagen aktualisiert werden und ein Trenzzuschlag für das kommende Jahr kommt auch noch oben drauf.
00:03:28: Okay da kann dann ganz schön was zusammenkommen oder?
00:03:31: Ja das betrifft dann auch verändertes Sterbetafeln weil die Menschen ja länger leben und natürlich dass Zins umfällt.
00:03:36: Alles, was sich über Jahre aufgestaut hat, entleht sich dann in einer einzigen Anpassung.
00:03:42: Okay verstanden!
00:03:44: Da schließt sich dann aber gleich eine Frage an... Wenn ich doch weiß dass die Krankheitskosten jedes Jahr um x Prozent steigen und die Menschen immer älter werden kann nicht das nicht von vornherein in die Beiträge einkalkulieren?
00:03:57: Dann müsste man nicht jedes zweite oder dritte Jahr anpassen.
00:04:00: Ja, das wäre im Prinzip machbar.
00:04:03: Das Gesetz verbietet es, den aktuellen der Versicherer aber strikt zukünftige noch unbekannte Inflationsschüpe vorab in die Prämien einzukalkulieren.
00:04:10: Der Kunde soll halt nicht mehr bezahlen als aktuell gerade gebraucht
00:04:14: wird.".
00:04:15: Okay!
00:04:16: Die Mechanik der Beitragsanpassung haben wir jetzt geklärt.
00:04:18: also das wie?
00:04:20: Aber das beantwortet dem Kunden ja nur nicht das warum.
00:04:23: Woher kommen diese Kostenberge
00:04:24: überhaupt?!
00:04:26: Der PKV-Verband hat dazu eine klassische Erklärung parat.
00:04:29: Er positioniert da primär den medizinischen Fortschritt und die demografische Inanspruchnahme als treibbar, und die Fakten zum Beispiel aus dem Krankenhausbereich stützen das teilweise auch durchaus.
00:04:41: zwischen zwei in zwanzigundzwanzig und vierenzwanziger sind die Fallzahlen in der PKV um zehn Komma neun Prozent gestiegen und parallel gingen die Pflegekosten im Krankenhaus für Privatversicherte um über siebzehn Prozent nach oben.
00:04:54: Dazu kommen dann noch diese ganzen teuren Innovationen bei Arzneimitteln mit einem Plus von knapp zehn Prozent.
00:05:01: Das klingt erst mal nach einer plausiblen Verteidigungslinie, nach dem Motto die Medizin rettet mehr Leben aber das kostet eben.
00:05:07: Genau!
00:05:08: Aber wir blicken mit der MAP-Reporte dahinter die Kulissen und sehen weitere Auffälligkeiten im Gesundheitsmarkt.
00:05:14: Die Treiber, die wir identifizieren können gehen weit über den bloßen medizinischen Fortschritt hinaus.
00:05:19: Es gibt da strukturelle Ineffizienzen und auch bewusste Gewinnmaximierung auf Seiten der Leistungserbringer.
00:05:26: Da müssen wir tiefer reingehen, was genau bedeutet das denn in der Praxis?
00:05:30: Wie generieren Kliniken oder Ärzte diese künstliche Kostensteigerungen die der Kunde am Ende zahlen muss?
00:05:36: Der medizinische Fortschritt ist ein realer Kostentreiber aber er erklärt halt nicht alles.
00:05:41: Es gibt im deutschen Gesundheitswesen nachweislich strukturelle Probleme bei der Abrechnung Und TK-Chef Jens Baas hat das, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung offen eingeräumt.
00:05:52: Eine TK Folge Studie zeigte über achtzig Prozent der befragten Ärzte wurden schon einmal bei der Diagnose Stellung von Kassen beeinflusst.
00:06:00: Der Gesetzgeber hat seitdem mehrfach nachgeschärft aber das Problem ist nicht gelöst es hat sich nur verlagert.
00:06:06: Denn was sich erst mal komisch anhört die Kassen profitieren im bestimmten Fällen von schweren Erkrankungen weil sie dann höhere Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds bekommen.
00:06:16: Das sind die Erfahrungen der GKV.
00:06:18: und wie ist das in der PKV?
00:06:20: Auf der Pkv-Seite wird nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet, auf der PKV Seite sehen wir vergleichbare Muster überhöhte Steigerungssätze großzügige Diagnostikschleifen und diese Kosten landen am Ende beim Kollektiv also bei ihren Kunden
00:06:35: Und der Patient merkt davon nichts.
00:06:37: Der Patient beschwert sich selten.
00:06:39: Er fühlt sich ja als Prämiumkunde total intensiv umsorgt, aber das Kollektiv loutet halt dafür.
00:06:45: Der MAP-Report verweist auch auf mehrfach abgerechnete Leistungen und sogar auf nie erbrachte Stunden im Pflegebereich.
00:06:51: Da versickern Milliardenbeträge in diesen Lücken des Systems – ein weiterer gigantischer Kostentreiber ist die Pharmaindustrie!
00:06:59: Die Marktmacht wird hier extrem
00:07:01: ausgereizt.".
00:07:02: Wie äußert es sich?
00:07:04: Wir sehen neue spezialisierte Krebsmedikamente, die pro-patientjährliche Kosten von weit über hunderttausend Euro verursachen.
00:07:12: Wenn dann noch ein gesamtgesellschaftlicher Trend zu mehr psychischen Erkrankungen, Diabetes und Herzleiden dazukommt, ja dann kollabiert das System einfach unter seiner eigenen Kostenlast
00:07:23: Und die Branche hat gar keine Lösung für das Kosteproblem?
00:07:26: Doch schon!
00:07:27: Also zumindest Ideen.
00:07:29: Viele Versicherer bieten mittlerweile Gesundheitsservices an, also Beratungsleistungen wie eine ärztliche Zweitmeinung oder gezielte Programme für chronisch kranke.
00:07:38: Damit können Behandlungen effizienter gemanagt und viel Geld eingespart werden.
00:07:42: der Kunde muss dabei aber mithelfen.
00:07:44: Okay da sind ja ne Menge Infos.
00:07:46: was mache ich damit denn im Kundengespräch?
00:07:50: Du musst die PKV gar nicht als fehlerfreies System verteidigen.
00:07:53: du kannst die Fakten auf den Tisch legen und sagen schau her Deine Versicherungsgesellschaft würfelt die Beiträge nicht aus.
00:07:59: Sie refinanziert ein Gesundheitssystem, das durch fantastischen Fortschritt aber eben auch durch Systemschwächen und große Profitgier einige Akteure viel Geld verbrennt.
00:08:10: Heißt also bei der Kostenentwicklung HMGKV und PKV die gleichen Probleme?
00:08:15: Aber da gibt es ja noch ein weiteres Thema Stichwort Demografie!
00:08:18: Ja genau wir werden immer älteren und die Kosten steigen, aber es kommen immer weniger Leute nach, die die Rechnung bezahlen sollen.
00:08:25: Da die GKV mit ihrem Umlageverfahren ja besonders schlechte Karten, kann hier denn die PKV-Punkten?
00:08:32: Die Versicherer sprechen ja immer davon.
00:08:34: Die PKV seid demografiefest!
00:08:37: Stimmt das?
00:08:39: Ja im Prinzip stimmt das.
00:08:40: Wenn ich in der PKV vollversichert bin werden sogenannte Alterungsrückstellungen gebildet.
00:08:45: Das funktioniert so.
00:08:46: Stell dir vor ein Neukunde tritt mit dreizig Jahren in einen Tarif ein.
00:08:50: Der Beitrag liegt sagen wir mal bei vierhundert Euro im Monat.
00:08:54: In diesen vierhundert Euro ist ein Sparenteil enthalten, denn ein dreißigjähriger Verursacht statistisch deutlich weniger Krankheitskosten als er an Prämie zahlt im Durchschnitt etwa zweihundert Euro.
00:09:06: Wenn man dann noch fünfzig Euro für Kosten einrechnet, dann wandern hundertfünfzig Euro in die Alterungsrückstellung und die können dann im Alter wenn die Krankheits kosten höher sind wieder aufgelöst werden.
00:09:18: Okay eigentlich eine gute Idee.
00:09:21: aber für das Problem über dass wir am Anfang gesprochen haben also dass die Krankheitskosten und damit die Beiträge ja gerade jetzt stark ansteigen, helfen die Alterungsrückstellen noch nicht oder?
00:09:31: Ne tun sie nicht.
00:09:32: Aber immerhin hat die PKV damit Rücklagen geschaffen in Höhe von sage und schreibe dreieinhalbfünfzig Milliarden Euro.
00:09:39: Die gesetzliche Krankenversicherung hat gar keine Rücklagen.
00:09:42: im Gegenteil der Staat muss hier ja auch zuschießen.
00:09:45: Okay Also halten wir fest, die Beitragserhöhungen sind kein Versagen der Versicherer sondern eine gesetzlich erzwungene Nachholung realer Kostenschleigerungen.
00:09:55: Das ist die Kernbrutschaft fürs Kundengespräch eigentlich.
00:09:58: aber was passiert wenn Kunden trotzdem sagen ich will wechseln?
00:10:02: Dann wird es richtig spannend und genau darum geht es in unserer nächsten Folge.
00:10:06: da setzen wir uns nämlich mit den Übertragungswerten auseinander.
00:10:10: für heute verabschiede mich.
00:10:12: erst mal vielen Dank fürs Gespräch
00:10:13: ja auch vielen lieben Danke und ich freue mich schon aus nächstem Mal.
00:10:16: Die Infos zur Folge und Quellen sind wie immer in den Show-Notes verlinkt.
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